
Die Geschichte der Diggers, die auf dem Pheasant Wood Friedhof begraben sind, beginnt mit einer der tragischsten Schlachten der australischen Militärgeschichte – der Schlacht von Fromelles. Diese fand am 19. und 20. Juli 1916 statt und war der erste große Einsatz des Australian Imperial Force (AIF) an der Westfront im Ersten Weltkrieg.
Der Angriff wurde von der britischen 61. (2nd South Midland) Division und der australischen 5. Division durchgeführt und sollte die deutschen Truppen von der Schlacht an der Somme ablenken. Allerdings war der Angriff schlecht geplant und traf auf stark befestigte deutsche Stellungen, insbesondere die Sugar Loaf Salient. Das Ergebnis war verheerend für die Australier: 5.533 Verluste innerhalb von weniger als 24 Stunden, was es zum schlimmsten Tag in der australischen Militärgeschichte machte.
Nach der Schlacht blieben viele gefallene Australier und Briten im Niemandsland zurück, und die Bergung der Leichen war durch anhaltendes feindliches Feuer äußerst gefährlich. Einige wurden geborgen und auf britischen Kriegsgräberfriedhöfen beigesetzt, doch hunderte Soldaten galten weiterhin als vermisst, ihr Schicksal über Jahrzehnte hinweg ungeklärt.
Deutsche Berichte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs erwähnten, dass nach der Schlacht 250 alliierte Soldaten – größtenteils Australier – in Massengräbern nahe Pheasant Wood, außerhalb des Dorfes Fromelles, bestattet wurden. Diese Gräber gerieten jedoch in Vergessenheit, und die Soldaten wurden offiziell als vermisst geführt.
Über Jahrzehnte hinweg suchten Historiker und Angehörige nach Hinweisen auf die verschwundenen Soldaten. Anfang des 21. Jahrhunderts untersuchte der australische Historiker Lambis Englezos das Thema intensiv. Er analysierte Luftaufnahmen, deutsche Dokumente und Zeugenaussagen und kam zu der Überzeugung, dass sich Massengräber in der Nähe von Pheasant Wood befinden müssten.
Im Jahr 2007 führte die Glasgow University Archaeological Research Division (GUARD) eine nicht-invasive Untersuchung durch und bestätigte die Existenz von Massengräbern an diesem Ort. Im darauffolgenden Jahr begann eine umfangreiche archäologische Ausgrabung durch die Oxford Archaeology, bei der 250 menschliche Überreste sowie militärische Ausrüstungsgegenstände, persönliche Gegenstände und Spuren einer hastigen Beisetzung durch deutsche Truppen freigelegt wurden.
Nach der Bergung der sterblichen Überreste begann eine aufwendige Identifikationsarbeit. Ein Team der Australian Army’s Unrecovered War Casualties Unit, gemeinsam mit der Commonwealth War Graves Commission (CWGC)und Angehörigen der vermissten Soldaten, nutzte DNA-Analysen, forensische Anthropologie und historische Forschung, um die Soldaten zu identifizieren.
Dank mitochondrialer DNA-Tests (analysiert die DNA in den Mitochondrien, die ausschließlich mütterlich vererbt wird und ermöglicht damit Rückschlüsse auf die mütterliche Abstammungslinie) konnten bis 2023 über 170 der 250 Soldaten eindeutig identifiziert werden. Die Identifikation läuft weiter, um so viele Soldaten wie möglich mit Namen zu versehen und ihnen eine würdige letzte Ruhestätte zu geben.
Zum Gedenken an die gefallenen Soldaten wurde ein neuer Kriegsfriedhof der Commonwealth War Graves Commission errichtet – der Pheasant Wood Military Cemetery, der im Jahr 2010 offiziell eröffnet wurde. Jeder Soldat erhielt ein würdiges Begräbnis mit militärischen Ehren. Für die identifizierten Soldaten wurden Grabsteine mit ihrem Namen errichtet, während die unbekannten Soldaten die Inschrift "Known unto God" (Nur Gott bekannt) erhielten.
Der Friedhof ist heute ein Ort des Gedenkens, der an die Opfer der australischen Diggers in Fromelles erinnert und gleichzeitig ein Zeugnis für den jahrzehntelangen Einsatz von Historikern, Archäologen und Familien ist, die nach Antworten suchten.
Die Entdeckung von Pheasant Wood hat die Erinnerung an die Schlacht von Fromelles nachhaltig geprägt. Jedes Jahr am 19. Juli findet eine Gedenkzeremonie auf dem Friedhof statt, an der Angehörige, Militärvertreter und Historiker teilnehmen.
Die Bemühungen, diese Soldaten zu identifizieren und zu ehren, zeigen, dass Australien seinen Gefallenen verpflichtet bleibt – niemand soll vergessen werden. Die Geschichten der einst vermissten Soldaten werden nun mit Stolz und Respekt erzählt, damit ihr Opfer für kommende Generationen bewahrt bleibt.
The story of the Diggers buried at Pheasant Wood Cemetery begins with one of the most tragic battles in Australian military history—the Battle of Fromelles. This battle, fought on 19–20 July 1916, was the first major engagement of the Australian Imperial Force (AIF) on the Western Front during World War I.
The attack, planned by the British 61st (2nd South Midland) Division and the Australian 5th Division, aimed to divert German forces from the Somme Offensive. However, the assault was poorly planned and executed against a well-fortified German position, the Sugar Loaf salient. The result was catastrophic for the Australians, with 5,533 casualties in less than 24 hours, making it the worst day in Australian military history.
Following the battle, many Australian and British dead remained in No Man’s Land, and efforts to recover them were dangerous due to constant enemy fire. While some bodies were retrieved and buried in Commonwealth War Graves cemeteries, hundreds of soldiers remained missing, their final resting places unknown for decades.
German reports indicated that after the battle, 250 Allied soldiers—mainly Australians—were buried in mass graves behind German lines near Pheasant Wood, just outside the village of Fromelles. However, their whereabouts were forgotten over time, and these soldiers were officially listed as missing.
For decades, families and historians searched for clues about the missing soldiers. In the early 21st century, Australian historian Lambis Englezos conducted extensive research, examining aerial photographs, German records, and soldiers’ testimonies. His work led to the hypothesis that mass graves existed near Pheasant Wood.
In 2007, a non-intrusive investigation by the Glasgow University Archaeological Research Division (GUARD)confirmed the presence of mass graves at Pheasant Wood. The following year, a full excavation by Oxford Archaeology unearthed 250 sets of human remains, along with military artifacts, personal belongings, and evidence of hasty wartime burials by the Germans.
With the remains exhumed, a meticulous identification process began, involving DNA testing, historical research, and forensic anthropology. The Australian Army’s Unrecovered War Casualties Unit, working with the Commonwealth War Graves Commission (CWGC) and families of missing soldiers, used mitochondrial DNA to match remains with living relatives.
As of 2023, more than 170 of the 250 soldiers buried at Pheasant Wood Cemetery have been positively identified. The identification process continues, ensuring these soldiers receive their rightful recognition.
To honor the fallen, a new Commonwealth War Graves Commission cemetery was built—Pheasant Wood Military Cemetery, officially opened in 2010. Each soldier received a dignified burial with full military honors, with named headstones for those identified and "Known unto God" inscriptions for the unknown.
The cemetery stands as a symbol of remembrance for the sacrifice of the Australian Diggers at Fromelles and a testament to decades of dedication by historians, archaeologists, and families seeking closure.
The discovery at Pheasant Wood has had a profound impact on the way Australia and the world remember the Battle of Fromelles. Each July 19, a memorial service is held at the cemetery, attended by relatives of the fallen, military officials, and historians.
The efforts to identify and honor these soldiers reflect Australia’s deep commitment to ensuring that no soldier is forgotten. Their stories, once lost to history, are now told with pride and respect, ensuring that their sacrifice at Fromelles is remembered for generations to come.
*Der Begriff „Digger“ in Australien bezieht sich auf einen Soldaten der Australischen Armee, insbesondere auf jene, die im Ersten Weltkrieg dienten. Der Begriff entstand ursprünglich während des Ersten Weltkriegs und soll von der Vorstellung stammen, dass Soldaten „Gräben gruben“, da der Grabenkrieg ein entscheidendes Element der Kämpfe, insbesondere an der Westfront, war.
Allerdings könnte der Ursprung des Begriffs älter sein. Bereits im 19. Jahrhundert, während der Goldrauschen in Australien, wurden die Arbeiter, die in den Goldfeldern nach Gold suchten und dabei oft Gräben oder Schächte gruben, ebenfalls als „Digger“ bezeichnet.
Obwohl der genaue Ursprung des Begriffs umstritten ist, wurde er zu einem stolzen Spitznamen für australische Soldaten und repräsentiert deren zähen und entschlossenen Charakter. Im Laufe der Zeit ging der Begriff „Digger“ über seine militärische Bedeutung hinaus und wurde zu einem Symbol für den australischen Geist, der Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit, Tapferkeit und Kameradschaft umfasst.
Der Begriff wird auch heute noch häufig verwendet, um australische Soldaten zu bezeichnen, insbesondere im historischen Kontext. Er ist weit respektiert und geschätzt und wird oft mit dem ANZAC-Erbe (Australian and New Zealand Army Corps) in Verbindung gebracht, das während des Ersten Weltkriegs entstand.
In der australischen Kultur hat „Digger“ auch eine Bedeutung über den militärischen Kontext hinaus erlangt und repräsentiert oft den „normalen Mann“ – hart arbeitend, widerstandsfähig und bereit, sich der Herausforderung mit Mut und Humor zu stellen.
*The term "Digger" in Australia refers to a soldier of the Australian Army, particularly those who served in World War I. Originally used during the First World War, it is thought to have emerged from the idea of soldiers "digging" trenches, as trench warfare was a key aspect of the fighting, especially on the Western Front.
However, the origin of the term could be older. As early as the 19th century, during the Gold Rushes in Australia, gold miners, who searched for gold and often dug trenches or shafts, were also referred to as "Diggers."
While the exact origin of the term is debated, it became a proud nickname for Australians in uniform, representing their tough and determined nature. Over time, the term "Digger" transcended its military roots and came to symbolize the Australian spirit, encompassing qualities such as resilience, bravery, and mateship.
The term is still widely used today to refer to Australian soldiers, particularly in a historical context. The term is widely respected and cherished, often associated with the ANZAC (Australian and New Zealand Army Corps) legacy, which was established during World War I.
In Australian culture, "Digger" has grown beyond the military context, often representing the everyman – hardworking, resilient, and willing to face adversity with courage and humor.
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